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Bienenhaltung ohne Gemülluntersuchung ist wie ein Blindflug - er geht selten gut und endet sehr wahrscheinlich mit einer Bauchlandung.

Nur durch eine akribische Analyse des Milbenabfalls ist die klinische Verfassung eines Bienenvolkes realistisch einschätzbar.

Hierfür werden Bodeneinlagen verwendet, auch Windeln genannt. Diese sollten unbedingt mit einem Abdeckgitter (Maschenweite ca. 3 mm) gesichert sein, um ein Wiederkehren der Milben in das Bienenvolk zu verhindern und natürlich den gesamten Bienensitz abdecken.

Bei neu gekauften Beuten sind diese Vorrichtungen werksseitig eingebaut; für ältere Beutenmodelle gibt es Nachrüstsätze aus Plastik.

Wir empfehlen eine wöchentliche Kontrolle der Diagnoseeinlagen; bei dieser Methode den täglichen Milbenabfall rückwirkend zu ermitteln ist wirklich nicht schwer: Sie teilen einfach die abgefallene Milbenzahl durch 7.

Die Ermittlung des Milbenabfalls ist besonders wichtig im Frühjahr eines Jahres sowie im Spätsommer.

Zu diesen Zeitpunkten ist der Mortalitätsgipfel erreicht. Im Frühjahr sind die Völker stark anfällig durch ihren hohen Anteil an Winterbienen und kleinem Brutnest; dies führt zu einer höheren Befallsdichte. Im Spätsommer / Herbst ergibt sich die erhöhte Milbenpopulation durch das abnehmende Brutnest mit gleichzeitig ansteigender Milbenzahl.

Abb. Die Varroa-Milbe parasitiert auf dem Wirt Biene


Quelle: www.bee-info.de

Kritische Fixpunkte:

Fallen mehr als 5 bis 10 Milben / Tag, ist eine sofortige Varroabehandlung erforderlich. Nach Sanierung Ihrer Völker sollte der Milbenabfall ab Anfang November maximal 1 Milbe in 2 Tagen ausmachen.

Auch die Untersuchung der Bienenbrut gibt wichtige Hinweise auf den Befallsgrad ihrer Völker. Besonders geeignet hierfür ist die Drohnenbrut, die Sie dann beim obligatorischen Herausschneiden auf Milbenbefall untersuchen.

Natürlich können Sie auch die erwachsenen Bienen untersuchen, denn hier macht sich ein erhöhter Milbendruck durch verkrüppelte Bienen (sogenannte Ballerinas) deutlich bemerkbar. Bis zum Aufkommen von optischen Symptomen sollten Sie es aber erst gar nicht kommen lassen, denn wenn Sie Milben auf den Bienen entdecken oder verkrüppelte Jungbienen, beträgt der Befallsgrad dieses Volkes mindestens 12 %.

Ab einem Befallsgrad von 30 % bricht das Volk zusammen und zieht aus (Notschwarm). Bienenleere Kästen mit (geschädigter) Brut und Futter sind das Ergebnis.

So lange sollten Sie als Imker nicht warten; bemerken Sie stark geschädigte Brut und verkrüppelte Bienen, ist schnelles Handeln verlangt.

Sie müßen hier die gesamte Brut entfernen, das Volk unverzüglich mit gesunden Bienen verstärken (wir verwenden hierfür aufzulösende Zuchteinheiten der Größe MiniPlus) und mit Oxalsäure sanieren.

Danach sollten Sie das Volk unter dauerndem Futterstrom halten und ihm eine Tracht suggerieren (Futtersirup 1 zu 1 Wasser zu Zucker). Natürlich sollte die Natur zu dieser Zeit noch Pollenquellen bieten.

Risiken: Bei der Gemülldiagnose kommt es durch uns Imker leider oft zu Fehleinschätzungen des tatsächlichen Milbenbefalls im Bienenvolk. Es werden gefallene Milben übersehen oder mit Pollen und allgemeinem Gemüll verwechselt.

In dem sicheren Glauben, das Volk wäre gesund, wird die Varroabehandlung hinausgezögert mit einem frappierendem Ergebnis ...

Unkoordinierte, mit den Vereinsmitgliedern nicht abgestimmte Varroabehandlungsmaßnahmen führen nicht selten in eine Sackgasse - die Reinvasion ist vorprogrammiert.

Es gibt vorbildliche Landkreise, wo der verantwortliche Veterinär zeitgleiche Behandlungen plant und überwacht; denkbar wäre auch die Wahl eines Koordinators, der in Ihrem Verein diese wichtige Rolle übernimmt.