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Anton Rosenkranz Imker seit 1958

Vorsitzender des IV Herdecke Ende 1988 bis 2007 -Vorsitzender des KIV Ennepe-Ruhr 1998 bis 2007

oder hat uns die Milbe im Griff?
[Anton Rosenkranz]

Aus meinem nicht imkerlichen Umfeld werde ich oft gefragt, ob wir nach all den Jahren die Varroamilbe im Griff hätten. Gerade in dem Moment, in dem ich ansetze, die Frage zu bejahen, fällt mir ein, dass es in den letzten Jahren manchmal eher umgekehrt war. Die Milbe hatte uns im Griff. Immer weniger Milben, und die allerdings mit immer mehr Sekundärerkrankungen, reichen heute aus, einem Bienenvolk den Garaus zu machen. Warum ist das nun so? Fehlt es uns an Hilfsmitteln, an Anweisungen der Fachleute? Ich denke nein; man sollte an dieser Stelle nur die AG-Broschüre „Varroa unter Kontrolle"
unserer Institute für Bienenforschung aufschlagen. Mit dem, was dort und wie es dort beschrieben ist, kann man eigentlich nichts verkehrt machen; seien es die Ausführungen über die biotechnischen oder die der chemischen Maßnahmen. Während erstere in den imkerlichen Arbeitsablauf der Hauptsaison integriert werden können und auch sollte, gibt es bei den chemischen Verfahren mehrere Vorschläge und zwar zugelassene und folglich nicht zugelassene Verfahren. Nicht unwesentlich ist, und dazu macht man dort auch Angaben, ist der Zeitpunkt der spätsommerlichen Behandlung. Dieser soll rechtzeitig und gleichzeitig sein. Die Gründe dafür, meine ich, liegen auf der Hand. Die Gefahr der Reinfektion ordnungsgemäß behandelter Völker durch stark befallene, oder durch bereits sterbende Völkern ist nun mal nicht zu übersehen. Aber hier liegt schon der „Hase im Pfeffer"

Selbst in einem relativ überschaubaren Vereinsgebiet, wie dem meines Heimatvereins ist das kaum zu realisieren; denn die Auffassungen über ein Ende der Tracht sind auch hier nicht auf einen Nenner zu bringen.
Persönlich kann ich die Faustregel, dass spätestens mit dem 20. Juli die Tracht in unsern Landen vorbei ist, auf Grund meiner nun 40 jährigen Bienenhaltung nur bestätigen. Aber manchen Kollegen sind die Hoffnungen auf späte Trachtaussichten nun mal nicht zu nehmen; und dieses Erwartungsgefühl ist sogar recht ansteckend; junge Imker übernehmen dieses gerne, und lassen Träumereien auf eine späte Tracht immer wieder aufkommen.
Nun möchte ja fast jeder Imker, besonders wenn er sich schon lange mit Bienen befasst hat, auch mal etwas Neues auf die Beine stellen. Früher bezog sich das meistens auf das Erfinden neuer Bauteile einer Bienenwohnung.
Heute trifft man hauptsächlich in der Varroosebehandlung auf sehr viele neue und auch interessante Ideen und Abweichungen von den bekannten Regeln der Bieneninstitute. Vor nunmehr über 15 Jahren berichtete Norbert Henne aus Karlshafen an der Weser über die Kunstschwarmbildung nach der letzten Schleuderung und Einwinterung auf neuen Wabenbau.
Nachdem ich diese Methode bei mir in die Praxis umgesetzt und meinen Verhältnissen angepasst hatte, kann ich heute sagen, dass sie wirklich eine Alternative bzw. eine Ergänzung darstellt. Mit der weitgehenden Eliminierung der Milbe erzielt man mit dieser Methode, zum Ausklang der Saison, auch eine komplette Erneuerung der Wabenbaus.
Mit dieser Methode arbeiten ein befreundetes Imkerehepaar und ich nun bereits im fünfzehnten Jahr. Es würde mich freuen, dazu aus dem Kreise dieser Leserinnen und Leser Rückmeldungen und eventuell Anregungen zu erhalten.

Einwinterung auf neuen Waben im offenen Kunstschwarmverfahren

Allgemeines:

Aus guten Gründen wird der Wabenhygiene in letzter Zeit eine immer größere Bedeutung zugemessen. Mit nachstehender Methode ist es möglich, den gesamten Wabenbau eines Volkes jährlich auszutauschen.

Das jährliche Erneuern der Waben im Brutraum dient hauptsächlich der Gesundheit der Bienen, während die jährliche Erneuerung der Honigwaben für die Sauberkeit des Honigs sehr wichtig ist.

Wenn diese Ziele im Laufe der Hauptsaison nicht oder nicht zufrieden stellend erreicht sind, bietet sich mit der letzten Honigernte, Mitte bis Ende Juli, die letzte Möglichkeit, die Brutraumwaben durch die so genannte Einwinterung mit Hilfe des offenen Kunstschwarmverfahren (OKS) zu erneuern.

Gleichzeitig kann eine chemische Varroabekämpfung mit Oxalsäure oder mit Perizin ohne jegliche Kontaminierung der Waben wirkungsvoll durchgeführt werden.

Im DBJ haben Robert Henne und Guido Eich dieses Verfahren vor Jahren beschrieben. Eigene Empfehlungen glaube ich, aufgrund meiner Erfahrungen in den letzten 15 Jahren, hinzufügen zu dürfen.

Beginnen sollte man mit dieser Maßnahme, wie bereits angedeutet, mit der letzten Honigernte, Mitte bis spätestens Ende Juli.

1.) Vor der Entnahme der Honigwaben wird das gesamte Volk beiseite gestellt und zunächst die Königin herausgesucht und gekäfigt

2.) Auf seinen Platz kommt ein neuer, gereinigter Unterboden mit einer leeren Zarge.

In diese wird die alte Königin oder eine neue Fremdkönigin gehängt. Auf den Boden sollte man einen kleinen, flach gedrückten Klumpen Futterteig legen.

Die Zarge wird mit einem Brett zu ¾ abgedeckt.

3.) Jetzt werden alle Bienen der brutfreien Waben in diese hinein gefegt. Dabei sollten 2 kg zusammenkommen. Reichen die Bienen des Honigraumes nicht, können auch Bienen des Brutraumes dazu genommen werden. Zu diesem Zweck können auch schwächere Völker aufgelöst werden.

4.) Abends kann die Varroabekämpfung durchgeführt werden; dazu werden die nun am Deckelbrett aufgehängten Bienen in die Zarge gestaucht; vorher wird die Königin beiseite gelegt, und sofort wird das Mittel zügig auf die Bienenmasse geträufelt und der Deckel wird wieder aufgelegt.

5.) Am nächsten Tag wird eine gereinigte Zarge mit frischen Waben aufgesetzt. Die vorgenannten Autoren schreiben hierbei die Verwendung von Mittelwänden vor. Das Wabenmaterial kann aber auch aus einmal bebrüteten, oder nicht bebrüteten, noch honigfeuchten Honigwaben bestehen.

Zu beachten ist, dass man das Wabenmaterial nicht mischen darf.

Eigene Versuche mit Leerrähmchen mit Anfangsstreifen sind dabei auch zufrieden stellend ausgefallen. 2007 baute dieser OKS binnen 24 Tagen 14 Rähmchen aus und füllte sie mit 10 kg Futter und ca. 15.000 Zellen mit Brut.

5 Waben waren sauber mit Arbeiterbrutzellen ausgebaut Die anderen wiesen mehr oder weniger Drohnenbrutzellen auf.
Die Königin wird zwischen die neuen Waben gehängt. Am nächsten Abend haben sich die Bienen nach oben gezogen; es hängen allerdings noch lange Bienenbärte herunter.

Um die untere Zarge zu entfernen, ist die Hilfe einer zweiten Person zu empfehlen.

Die obere Zarge mit den Bienen wird so hoch angehoben, dass die Bienenbärte nicht abreißen. Dabei wird die untere Zarge entfernt und die obere Zarge auf den Beutenboden abgesetzt.

Auch diese Arbeit muss mit einer gewissen Zügigkeit abgewickelt werden.

Von nun an muss mit der Einfütterung begonnen werden; der Futterstrom darf nicht abreißen bis alle Waben ausgebaut sind und ein ausreichender Futtervorrat angelegt ist. Dabei ist darauf zu achten, dass Platz für ein neues Brutnest bleibt.

Wenn man nach 10 Tagen nachschaut, wird man feststellen, dass alle Mittelwände, bzw. die meisten Leerrähmchen ausgebaut sind, und bereits ein großes Brutnest angelegt ist. Im Allgemeinen sind auch wieder gute Pollenvorräte angelegt.

Aber nun zurück zur Verarbeitung der Brutwaben. Die Brutwaben mit aufsitzenden Bienen werden von je 3 - 4 Völkern in einer so genannten Brutscheune zusammengefasst. D.h., auf einem eigenen Unterboden werden die Brutraumzargen mit Brutwaben und Bienen, Futter- und Pollenwaben übereinander gesetzt, und bekommen einen neuen Standplatz.

Nach 21 Tagen ist durch die ausgelaufene Brut eine gewaltige Menge an Jungbienen entstanden; aus einer Nachschaffungszelle ist eine junge Königin geschlüpft, und unter günstigen Umständen bereits in Eilage. Besser ist es, diesem Scheunenvolk nach 9 Tagen alle Nachschaffungszellen auszubrechen und eine begattete Königin unter Absperrung zuzusetzen.

Jetzt geht das Spiel wieder von neuem los. Die Zargen der Scheune werden beiseite gesetzt. An ihren Platz kommt eine leere Zarge. (wegen der großen Bienenmasse am besten gleich zwei). Auf den Boden wird wieder ein kleiner Klumpen Futterteig gelegt; die Zarge wird zu ¾ mit einem Brett abgedeckt. Und nun werden alle Bienen der Scheune hineingefegt. Ein Heraussuchen der neuen Königin ist, wenn sie nicht abgesperrt war, schier unmöglich, und auch nicht unbedingt nötig.

Abends wird wieder, wie oben beschrieben, die Varroabehandlung durchgeführt und am nächsten Abend eine Zarge mit entweder Mittelwänden oder neuen Honigwaben, oder Leerrähmchen aufgesetzt. An einem der nächsten Abende werden die leeren unteren Zargen mithilfe einer zweiten Person weggenommen.

Jetzt muss wieder kräftig gefüttert werden. Aber bitte Augenmaß halten, damit Platz zur Anlage eines großen Brutnestes bleibt. Alle Bienen, die hierbei erbrütet werden, sind zwangsläufig Winterbienen. Ende September kann man entscheiden, was man mit diesem neuen Volk machen will. Falls man die vorgesehene Völkerzahl bereits erreicht hat, kann man diese jungen, gesunden Bienen zur Verstärkung anderer Völker benutzen; ansonsten aber auch als eigenständiges Volk durch den Winter bringen.

Zusammenfassung

Mit Ablauf der Bienensaison wird noch einmal die gewaltige Naturkraft der Bienen ausgenutzt. Es entsteht ein neuer, sauberer Wabenbau (auch von hohem ästhetischem Wert) und eine große Masse gesunder Winterbienen, die nur nach einer eventuellen Reinfektion einer weiteren Varroabehandlung bedürfen.

anton.rosenkranz(at)dokom.net - www.herdecker-imker.de