Ja, es könnte alles so schön sein. Eine Symbiose eingehen zwischen Biene und Natur, Imker und Landwirt, denn kaum jemand ist so von einander abhängig wie diese beiden Parteien. Als Nektar oder Honigtau von den Bienen gesammelt und mit körpereigenen Stoffen veredelt, ist Honig ein besonderes Lebenselexier und ein unverfälschtes Naturprodukt. Gut für den Imker, doch noch besser für den Landwirt, denn die Bestäubungsleistung und der allgemeine Wert für die Landwirtschaft (besonders für den Obstanbau) ist um das Zehnfache höher als der Honigertrag und der damit verbundene Geldwert für den Imker.
Der Fleiß der Bienen ist sprichwörtlich: Sie müssen drei bis fünf Millionen Blüten anfliegen, um Nektar für einen Kilogramm Honig einzusammeln. Metaphorisch dargestellt ergibt dies sechs Erdumrundungen...
Wir Imker fühlen uns speziell in der heutigen Zeit, in der die Grüne Gentechnik auf dem Vormarsch ist, von den Landwirten betrogen, den Politikern im Stich gelassen, doch: Ist diese Betrachtungsweise nicht ein wenig zu monokausal? Die Probleme in der Imkerschaft sind uns Imkern ja bestens bekannt:
-Immer "ärmer" werdende Natur mit beschränktem Pollenangebot
-Grüne Wüsten ohne "Unkraut" (Der Landwirt lernt dies früh - ist eine Wiese "gelb" vor Löwenzahn, wurde sie zu spät gemäht)
-Anbau von GVO (Genveränderte Organismen) mit mehr als unklaren Auswirkungen für die Biene und den Menschen
-Fehlende Lobby für und in der Imkerei
-Zurückgehende Imkerzahl (speziell die Hobbyimkerzahl nimmt in Deutschland kontinuierlich ab)
-Intensiver Pflanzenschutz (führt nicht selten zu Völkerverlusten oder zumindestens zu teilweisem Verlust der Flugbienen und dadurch geringeren Honigernten)
Doch was macht eigentlich der Landwirt? Sind seine Sorgen in der apistischen Welt eigentlich bekannt? Sicherlich sind diese Probleme aus unserer Sicht nicht so vielschichtig, doch trotzdem reel und teilweise existenzbedrohend.
Auch in der Landwirtschaft gibt es Schädlinge, die ganze Ernten bedrohen - hier greift der Landwirt zu erlaubten (und nicht erlaubten) Mitteln und Mittelchen. Seien wir nicht immer so entsetzt und pikiert ob dieser Tatsache, denn auch wir Imker sind nur mehr oder weniger gesetzestreu, werden doch nicht alle Imkerreisen ins Dzierzon-Museum unternommen, um die imkerliche Gemeinschaft zu festigen. Oft werden auch Mitbringsel - bei Weitem in Deutschland nicht zugelassen - gegen die Varroa eingeführt, fühlt sich doch so manch ein Imker von der Wissenschaft und ihren angebotenen Behandlungsmethoden vergessen und verlassen.
Der Kampf zwischen Landwirt und Imker - und anders können wir dies auch nicht mehr bezeichnen - spitzt sich zu: Bestäubungsprämien an den Imker für die Dienstleistung, dass seine Bienenvölker Obstkulturen befliegen, aber wehe, Du (Landwirt) spritzt Chemie. Und diese Zusage erhält der gewiefte Bestäubungsimker schriftlich (so sind die Empfehlungen der Ausbilder, die in diesem neuen "Ausbildungsberuf" unterweisen). Imker, die sich selbst anzeigen, weil ihr Honig mit GVO kontaminiert wurde, zwingen nun den Gesetzgeber, richtungsweisende Erlasse zu verfügen. Hoffentlich erweisen wir uns momentan keinen "Bärendienst". Der Landwirt (früher Bauer), auch nicht dumm, sucht nach neuen Wegen und Möglichkeiten. Ob nun Einweg-Hummelvölker, die nach der Bestäubungszeit erbarmungslos im Müll "entsorgt" werden, ob nächtliche Spritzeinsätze, manchmal sogar schon Empfehlungen, Dienstleistungen (Bestäubung) der Imker in der Landwirtschaft nicht mehr nachzufragen - die Palette ist groß, beweist aber gleichzeitig, wie verzweifelt beide Seiten mittlerweile sind. Wir Imker, auch nur Menschen, sehen uns oft in der Position der Dame am Bahnhof, die jeder nimmt, aber in Wirklichkeit keiner haben will ...
Ein Ausweg ist nicht in Sicht, sind Weltkonzerne an der Lancierung Ihrer Produkte im Bereich GVO nicht nur interessiert, sondern auch in der Lage, Landwirte und Politiker von ihrer ...Sichtweise zu überzeugen und für sich einzunehmen.
Was können wir machen?
Wir empfehlen an dieser Stelle eine vertrauensvolle, langjährige Zusammenarbeit mit Landwirten aufzubauen, auf Bestäubungsprämien zu verzichten und offen und ehrlich miteinander umzugehen. Minimieren wir unsere Partnerschaft nicht auf einen Geldfluss. Werden wir politisch aktiv, schreiben an Landräte, beteiligen uns an Petitionen wie in www.campact.de angeboten. Nehmen wir klare Positionen ein, ohne zu übertreiben, sachlich und motivierend. Sind wir alle wirklich aktiv?
Wer ist Mitglied im BUND www.bund.net oder im NABU www.nabu.de ?
Und kaufen wir andere Kopfschmerztabletten als die, die seit vielen Jahren in Leverkusen hergestellt werden. Auch eine Änderung
im Konsumverhalten kann etwas bewegen, wenn auch nur selten, ist aber auf jeden Fall gut für das eigene Gefühl.
Abwanderung aus der Maisblüte
aus Breckerfeld, Sauerland
Bis auf eine Ausnahme gelingt uns die Zusammenarbeit mit unseren Partnern sehr gut - wir sind mit den Koalitionen (und um nichts anderes handelt es sich hierbei), die wir mit unseren Landwirten eingegangen sind, sehr zufrieden. Das hat natürlich einige Jahre gedauert. Wie immer im Leben gibt es auch Negativbeispiele, doch da haben wir gehandelt und sind sehr medienwirksam (auch wir sind nur Menschen) aus dieser Region abgewandert. Der Landwirt baut dort plötzlich jährlich bis zu 360 ha Mais an und verzichtet komplett auf Zwischenfruchten. Das Ergebnis für unsere Bienenvölker war katastrophal.
Fazit : Die momentane Situation in der (Berufs)Imkerei ist durch die Zulassung der Agro-Gentechnik in der EU tatsächlich beängstigend. Natur und Landwirtschaft brauchen Bienen – Gentechnik nicht unbedingt; sie ist nur eine Option.
Setzen wir den Rat um, den die damals minderjährige Tochter von Al Gore (nach seiner etwas zweifelhaften Niederlage gegen G. W. Bush) ihrem enttäuschten Vater gegeben hat:
Relax
Smile
Fight
www.bvl.bund.de/gentechnik/index.htm
Hier finden Sie Auskunft über den Anbau von GVO, nach Postleitzahlen sortiert.
