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über Helden und Lügner

Berufsimker vs. Hobbyimker

Umfrage: Ethik in der Imkerei

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Künstler J. Griusys, Palanga

"Pro-Jungimker" - was für eine schöne Bezeichnung für eine Internetseite, aber auch gleichzeitig eine verführerische, fordert dieser Name doch förmlich zu einer Diskussion über Pro & Contra in der Imkerei heraus.

Dinge, die um uns passieren, geschehen nicht zufällig; im besonderen Mase gilt dies für die heutige Imkerei. Wer sich von uns wundert, warum Entscheidung häufig gegen die Imkerei - mit Begründungen die oftmals an der gesunden Ratio zweifeln lassen getroffen werden, sollte sich einmal vor Augen führen, dass unser Land ein Chemie- und Industriestandort ist.

Dass die Themen "Grüne Gentechnik" sowie der "Schutz und Ausbau des Chemiestandortes Deutschland" in dieser aktuellen Legislaturperiode höchste Priorität haben werden, machte unsere amtierende Bundeskanzlerin, selbst promovierte Physikerin im Fachbereich Quantenchemie, Angela Merkel, schon früh und noch vor ihrer Wahl zur Kanzlerin deutlich klar.

Es müßen hier keine Verschwörungstheorien aufgestellt werden, um annehmen zu können, dass bei einer so frühzeitigen und klaren Positionierung im Wahlkampf ein nicht unbeträchtlicher Teil der "Freunde und Gönner" unserer Bundeskanzlerin eindeutig der Genagro- und Chemieszene zuzuordnen sind.

Nun von ihr und ihrer Regierung zu erwarten, Einsicht zu zeigen oder gar Vernunft anzunehmen und uns - den Imkern - zu helfen, halte ich persönlich für äußerst naiv. Hier ist Kritik in den Wind gesprochen.

Bedenken wir nun noch, dass bei einer Umfrage in 2007 zur Ermittlung der weltweit 30 saubersten Staaten (also den Ländern, in denen prozentual die wenigsten Korruptionsfälle ermittelt wurden) unser Land nur den 16. Platz einnimmt - das ehemalige sowjetische Estland rangiert vier Plätze über uns ...- führt uns diese Überlegung zwangsläufig zu den oben genannten Lügnern im unseren Lande.

Die rheinische Chemielobby, aber auch viele Energiekonzerne nutzen ihren Einfluss schamlos aus, um Entscheidungen zu ihren eigenen Nutzen zu manipulieren.

Die Imkerverbände sind als Unterorganisationen der Landwirtschaftsverbände zur Kritik nicht fähig. Das Bienenmonitoring, inszeniert
von den chemischen Industrie- und Landwirtschaftsverbänden, wird insbesondere von ausländischen Imkervertretern heftig kritisiert und als korrumpiert beschrieben.

Großzügig erteilte Forschungsaufträge an deutsche Bieneninstitute werden unter einem unruhig und bedrohlich pendelnden Damoklesschwert abgearbeitet - die Gefahr, dass die Durchführung bei für den Auftraggeber unpopulären wissenschaftlichen
Zwischenergebnissen jederzeit abgebrochen werden kann, ist groß.

Begabte Wissenschaftler, die bereits in Studienjahren ihre Seele an die Chemiekonzerne vermieteten, sind nicht selten. Hier genügt oftmals eine frühzeitige Fütterung der Nachwuchskräfte mit lohneneden Praktikantenstellen, die dann später in Beraterpositionen umgewandelt werden. Mit der Umwandlung des Anstellungsverhältnisses ändert sich auch die o. g. Vermietung in Verkauf.

Von diesen Kollegen können wir dann in Zukunft immer eine objektive wissenschaftliche Meinung erwarten getreu dem Motto:
"Die Hand, die Dich füttert ..."

So manch ein wissenschaftlicher Institutsmitarbeiter verbittet sich sowohl verbal wie auch in zahlreich erschienenen Fachpublikationen jede Kritik an seinen Arbeitgebern, den Bieneninstituten, mit dem Verweis, der Imker möge erst einmal die eigenen Hausaufgaben machen und die Varroa in den Griff bekommen.

Ja, solche Vorwürfe sind nicht gänzlich von der Hand zu weisen, provozierten doch in der Vergangenheit geäußerte Vermutungen
über Völkerverluste aus der Hobbyimkerszene ein anhaltendes Schmunzeln und ließen an der Fachkompetenz dieser Imker zweifeln.

Fragt man einmal in den Imkervereinen nach, ist das Misstrauen gegenüber unseren Instituten und die Zweifel an ihrer Effektivität groß. Diese allgemeine Meinung ist nicht zufällig entstanden; sie wurde geprägt durch viele nicht nachvollziehbare Entscheidungen und Forschungsergebnisse unserer Bienenwissenschaftler.

Wir müßen uns wohl mit der Tatsache abfinden, dass unsere Institute sowohl von der Industrie wie auch von der Politik abhängig sind.

Eine Änderung der Situation ist nicht in Sicht und viele Imker stellen verbittert fest: "Nicht immer bekommt ein Land die Regierung respektive die Wissenschaftler, die es verdient. Manchmal ist es auch einfach nur Pech."

Nicht wenige Imker träumen von einem unabhängigen Bieneninstitut, gegründet und finanziert von uns Imkern. Was zuerst utopisch und unerreichbar klingt, ist durchaus realisierbar, würden wir alle jährlich nur 5 EUR je Bienenvolk für so eine Idee opfern.

Hier könnten dann tatsächlich unabhängige und objektive Forschungen durchgeführt werden.

Keinesfalls situationsverbessernd ist die Tatsache, dass viele rhetorisch begabten Imker eigene Vorlesungen zum Anlass nehmen,
ihren Bekanntheitsgrad und Marktwert aufzubessern. Hierbei wird oftmals auch vor Polemik nicht zurückgeschreckt, um Bienenköniginnen aus eigener Zucht "an den Mann" zu bringen.

Zurück bleiben Imker, die sowohl von den Instituten wie auch von den Züchterkollegen enttäuscht wurden. Lohnt es sich da noch,
zu imkern?

Da, wo wir auf Lügner treffen, sind auch die Helden nicht weit, daher: Kopf hoch.

Die Ermittlung der Varroatoleranzgrenze, die Möglichkeit der Behandlung gegen Varroa mit organischen Säuren wie Ameisen-,
Milch- und Oxalsäure, der wissenschaftliche Beweis, dass das kleine Zellmaß zu varroaresistenten Bienenstämmen führen kann, die Prognosierung einer eintretenden Waldtracht: Dies alles sind aktuelle Entdeckungen, die für die Qualität der deutschen Bienenwissenschaftler steht. Exemplarisch seien hier Personen wie Rademacher, Liebig und van Praagh genannt.

Ihnen gilt unsere Anerkennung, genauso wie den unabhängigen Wissenschaftlern Dr. Tautz und Dr. Neumann.

Nicht zu vergessen sind die Imker und Züchter, die auf eigenes Risiko und aus eigenen Mitteln Überlebenstest an ihren Bienenvölkern durchführen mit dem Ziel, eine varroaresistente Biene zu selektieren. Hier sei der luxemburgische Züchter Paul Jungels erwähnt, der exemplarisch für den Unterschied von Züchter und Vermehrer steht.



Kennen Sie eigentlich die Geschichte von den 7 Zwergen?
Nein, nicht die aus ihrer Kinderzeit. Eine etwas modernere, die Ihnen helfen wird zu verstehen, wie ein dritter Typus von Mensch
sein kann, der hier in der Abhandlung weder unter Lügner noch unter Helden klassifiziert werden sollte. Nennen wir ihn einmal
Träumer:

Die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gruben, stießen auf eine Goldader. Sie waren fleißig und förderten jeden Tag
sehr viel Gold und erlangten schließlich märchenhaften Reichtum. Eines Tages fragten sie sich, wieviel Gold sie eigentlich haben. So befreiten sie einen der ihren von der täglichen Minenarbeit, damit er das Vermögen ermitteln konnte. Schon schnell kam ihnen der Gedanke, der Zwerg, der das Gold zählt, müßte kontrolliert werden, bestünde doch die Möglichkeit, er könnte sich verzählen. Und ein dritter war erforderlich, der das Arbeitstempo und die Fördermenge in der Mine ermittelt und akribisch dokumentiert sowie ein vierter, der für die Arbeitssicherheit zuständig zeichnet. Der fünfte wurde von der täglichen Minenarbeit befreit, damit er die Buchhaltung führt sowie ein sechster, damit er die Abteilung Controlling besetzt. In der Goldmine zurück blieb nur noch ein Zwerg.

Nach geraumer Zeit stellten die sieben Zwerge fest, dass die Fördermenge Gold aus unerklärlichen Gründen drastisch abnahm.

In ihrer Not wandten sie sich an einen Unternehmensberater, der noch am selben Analysetag feststellte: Zu viele der Zwerge sind in administrative Arbeiten involviert, zu wenige arbeiten an der Basis. Daher auch der logische Einbruch der Goldfördermenge.

Der Chef der Zwerge, Brummbär, bestand auf ein Gegengutachten und engagierte einen gebildeteten Mann, einen Professor, der die Situation in der Mine untersuchen sollte.

Nach dreimonatigen Testreihen hier das Ergebnis: Wenn der siebte Zwerg die Spitzhacke 10 % mehr nach links neigen würde, erhöhte sich die Fördermenge um 0,3 %.


Nicht von ungefähr existiert die Anekdote vom vertrottelten Professor, der in seinem Spezialgebiet ein Ass, aber im tatsächlichen
Leben eher ein Tolpatsch ist, der weder seine eigene Kleidergröße kennt noch in der Lage ist, sich ein einfaches Gericht wie Spiegeleier zuzubereiten.

Verwiesen sei hier auf einen Gynäkologen, Professor und Hobbyimker mit zehn Bienenvölkern, der kürzlich publizieren lies, die
Einnahme von Propolis könnte zu Krebserkrankungen führen. Schade nur, dass persönliche, teilweise interessantere Empfindungen und Meinungen von Personen ohne akademischen Grad über die Kneipenschwelle nicht hinauskommen und andere Ansichten,
die dort besser verbleiben sollten, sich in wissenschaftlichen Abhandlungen gegen Autorenhonorar wiederfinden dürfen.

Auch der wissenschaftliche Nachwuchs läßt keine begründete Hoffnung auf Besserung aufkeimen, verfolgt man einmal genauer die Rechenschaftsberichte der Bieneninstitute. Hier wird geforscht, studiert, promoviert und nach dem Ei des Kolumbus gesucht, obwohl alte Probleme wie die Varroapestilenz immer noch nicht nachhaltig in den Griff zu bekommen sind. Der Kampf Säure gegen Milbe kann nur eine Übergangslösung sein:

Betrachten wir einmal die Auswirkung der Ameisensäure, besonders wenn sie bei heißen Temperaturen über Tropfflasche in das Volk eingebracht wird, erinnert das Ergebnis nicht selten an Tierquälerei. Und wußten Sie schon, dass ein Mittel, welches in die Brut wirkt, auch auf die Brut wirkt?

Von offizieller Seite hört es keiner gerne, doch wird eine erste Kausalität von Säureschäden (Verätzung der Sinnesorgane) an den Bienen und AFB (Amerikanische Faulbrut) - Erkrankung herbeigeleitet.

Daher ist es zwingend erforderlich, immer wieder auf diese Problematik hinzuweisen, denn auch nach nahezu 30 Jahren ist die Milbe realer als sie es jemals zuvor gewesen ist.

Natürlich ist eine Doktorarbeit in einem Spezialgebiet wie Varroabekämpfung nicht gerade spannend und entspricht so garnicht dem Zeitgeist.

Heute, wo auch ein Wein nicht mehr "lieblich" oder "herb" schmeckt sondern "knusprig" und "sexy", scheint es auch nicht mehr ... aufregend genug zu sein, reale Probleme lösen zu wollen.

Da ist der Blick in die imkerliche Glaskugel - mit dem herbeieilenden Kleinen Beutenkäfer im Gepäck - alles andere als attraktiv.

Quo vadis?


Darüber hinaus ist ein weiterer beängstigender Trend festzustellen: Die Beweiserbringung, dass etwas nicht funktioniert, bewegt die apistische Forschung.

Mit solchen Thematiken haben sich bereits viele namhafte Kollegen befasst - der Ansatz ist immer gleich:

Die Lösung ist vorgegeben, also stellen wir sie einfach in Frage.

Jetzt muss nur noch bewiesen werden, dass 2 + 2 nicht immer zu dem Ergebnis 4 führt.

Ob Drehbeute, kleines Zellmaß, gesicherte Anpaarung (der Baltrumversuch u. a. Abhandlungen), Reizfütterung, Anbrüter, Starter, Finisher: Alles wird zerredet, in Frage gestellt, aber selten optimiert oder gar neu erfunden.

Einstein sagte einmal, dass Genie in aller Zeit am häufigsten von mittelmäßigen Köpfen bekämpft wurde, doch liegt hier die Sachlage wohl etwas anders. Wird so die Freiheit von Forschung und Lehre interpretiert? Oder werden hier einfach nur alte Rechnungen aus Studententagen beglichen?

"Chapeau!", ruft hier der begeisterte Hobbyimker, doch in Wirklichkeit handelt es sich hier wohl eher um ein ernüchterndes: "Chapeau bas ..."

Verwiesen wird immer auf Untersuchungsergebnisse diverser Bieneninstitute, allerdings die Tatsache negiert, dass eine vorherige Gleichnamich machung der äußeren Einflussfaktoren nicht erfolgt ist. Jeder Kaufmann vergleicht Angebote durch Gleichnamichmachung, so wird z. B. neben dem reinen Angebotspreis der Ware das Zahlungsziel berücksichtigt, Transportkosten, Garantieleistungen.
In der Forschung ist dies kein Geheimnis, doch soll hier einmal kurz darauf verwiesen werden:
Seriöse, repräsentative Ergebnisse sind nur möglich, wenn a) das gleiche Beutensystem benutzt wird b) die gleichen klimatischen Bedingungen vorherrschen c) die gleiche Bienenrasse geprüft wird d) die imkerlichen Maßnahmen vom Forschenden (Projektleiter) verbindlich festgelegt werden und ihre Einhaltung akribisch verfolgt und überprüft wird.

Unsere hier aufgelisteten Parameter haben wir auch schon an einige namhafte Wissenschaftler komunieziert. "Es handle sich hierbei um Vorgaben für eine geplante Zertifizierung", wurde uns entgegenet. Tja, im Ausland ist das aber anders, nämlich handelt es sich dort um gängige, gute, wissenschaftliche, Praxis.

Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass wir als Imkernation in Europa bestenfalls Mittelmaß sind. Länder wie Frankreich, Spanien und Luxemburg sind uns hier weit überlegen.

Ich persönlich freue mich über jede wissenschaftliche Abhandlung, die etwas Neues, aber auch Wahres und Sinnvolles vermittelt. Schön wäre auch, wenn die Wissenschaftler (wie der Schuster) bei Ihren Leisten blieben, der Forscher auf Hinweise in der praktischen Imkerarbeit verzichten würde; hier werden Berufsimker, Imkermeister und andere Praktiker benötigt - doch leider schweigen diese zu oft.

Wir bitten hier nochmals eindringlich alle Bienenwissenschaftler, dass Ihnen entgegen gebrachte Vertrauen nicht auszunutzen. Publizieren Sie bitte nur, wenn Sie sich 100 % ig sicher sind und es auch genauso zuverlässig beweisen können. Bitte halten Sie Ihre persönliche Meinung heraus, denn gerade Sie müßen über den Dingen stehen - immer neugierig, immer forschend, immer bescheiden und neutral.

Wir alle müßen das Mentoring der Jungimker seriös und nachhaltig verbessern, aber auch die "alten Hasen" nicht aufgeben, fällt dies auch wegen ihrer inneren, oftmals negativen Einstellung Neuem gegenüber, besonders schwer.