(HRI) Herdecke - Erste Erfahrungen )
Anton Reck (rechts im Bild), Präsident des Deutschen Imkerbundes lässt sich auf der Grünen Woche in Berlin von Ludger Sauerwald das Konzept und die Erfahrungen HRI Herdecke erläutern.
Hintergründe
Wie kann man Jung-Imkern bei der Vermarktung von Honig helfen, der über den eigenen Verbrauch hinaus produziert wird? Die Lösung dieser Frage könnte ein wesentlicher Anreiz für das Interesse an der Imkerei sein.
Erfahrungen im Vereinen und die Honig-Angebote vieler Imker belegen auch, dass die Honig-Vermarktung manchen Imker, besonders Jung-Imkern, schwer fällt. Es mangelt an Kontakten und einem Kundenstamm.
Ziel muß es sein, spätestens im August alle Honigtöpfe frei zu haben für die neue Ernte.
Weitere Überlegungen waren, wie man die Imkerei breiter in der Öffentlichkeit verankern und gleichzeitig die Vermarktung der lokal erzeugten Honige vereinfachen und verbessern kann.
Da etwa 75 % des deutschen Honigbedarfs importiert werden muß, sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Bemühungen in dieser Richtung sehr aussichtsreich.
Die Lösung
Marianne Kehres, Vorsitzende des Imkervereins Much und verantwortlich für Jung- und Neu- Mitgliederwerbung im Landesverband Rheinland löste das Problem: Eine Gemeinschaft von mehreren Imkern verkauft den lokal / regional erzeugten Honig im örtlichen Lebensmittelmarkt. Durch den Zusammneschluß von Imkern ist es möglich, die notwendigen Honigmengen bereitzustellen, die für eine nahtlose Lieferung über das ganze Jahr hinweg benötigt werden. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für diese Art der Direktvermarktung.
Wir in Herdecke fanden die Idee genial!
Da uns das Jahr 2006 eine reiche Honigernte beschert hatte, war das eine günstige Gelegenheit, das Projekt zu starten.
Es gelang, im Verein Interesse zu wecken und den örtlichen REWE – Händler zu überzeugen. Vereinsintern wurde vereinbart, dass wir nur Vereinsmitglieder in die Honiggemeinschaft aufnehmen und unsere Finanzen aus dem Honigverkauf in eigener Verantwortung organisieren müssen.
Mit der maßgeblichen Unterstützung von Frau Kehres schafften wir es, in kurzer Zeit die Honiggemeinschaft Regionaler Imker (HRI) Herdecke zu gründen und Ende August 2006 mit dem Projekt zu starten
Die eigentliche Arbeit steckte in der Gründung und der Vorbereitung des Starts der HRI.
Was war zu bedenken und zu tun?
Die Vereibarung mit dem örtlichen REWE-Händler wurde per Handschlag besiegelt!
Es fanden sich 6 Imker, die spontan interssiert waren. Zum Gründungstreffen hatte ich eine Satzung mit den Spielregeln entworfen. Bei einzelnen Punkten gab es Beratungsbedarf, wir wurden uns aber schnell einig, die Satzung wurde unterschrieben. Wichtig sind Vereinbarungen: über die Bereitschaft, die Anlaufkosten zu finanzieren, über die Festlegung der Qualitätskriterien und der Aufmachung des Honigs, über die Präsentation in der Öffentlichkeit, über die Pflichten der Mitglieder und schließlich über die Verkaufspreise. Letztlich mußte ein Verantwortlicher gefunden werden, der alles organisiert und das laufende Geschäft betreut und der auch seinen Namen und seine Adresse für die HRI hergibt, Lieferscheine und Rechnungen ausstellt und das Geld an die Imker weiterleitet.
Im Nachhinein war es ein Glücksfall, dass uns der REWE – Händler keines seiner Regale zur Verfügung stellen konnte. Wir haben uns im Baumarkt umgesehen und ein verchromtes Stahlregal für ca. 200 € inclusive Zubehör (Kunststoff-Leisten für Namensschilder, Honigbeschreibung und Preise sowie einen Korb für leere Gläser) gekauft. Im REWE – Markt wurde uns ein idealer Platz (30 x 40 cm) zugewiesen: Neben einer Waage, neben der Obst und Gemüseabteilung.
Jedes Glas (nur DIB-Gläser) erhält ein Minifaltblatt, mit Wissenswertem über unseren lokalen Honig, das ihn gleichzeitig als HRI Produkt ausweist. Neben dem Namen des jeweiligen Imkers auf dem Gewährstreifen ist das das einzige Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu dem Honig eines Abfülbetriebes 4 Meter weiter, der wesentlich günstiger angeboten wird...
Der Aufsteller faßt bis zu 112 Gläser Honig auf 7 Regalebenen. Jedes unserer 6 Mitglieder erhielt eine solche mit Platz für 16 Gläser. Vorn am Regalrand werden die Namen der Imker mit ihrem Standort angegeben, dazu der Verkaufspreis von 4,85 € und eine kurze Beschreibung der jeweiligen Honigsorte z.B."Frühtracht: cremig, mild"auf der linken Seite und „Sommertracht, cremig fest, blumiges Aroma“ auf der rechten Seite der Regalebene.
Die freie Regalebene wird für Werbematerial genutzt. Auf dem Boden steht ein Weidenkorb mit dem Hinweis, dort leere Gläser abzustellen. (Wir arbeiten ohne Pfand!).
An einem Samstag Ende August 2006 startete unser Verkauf bei REWE.
Vor dem Tag der ersten Präsentation und Verkostung unserer Honige im REWE-Markt waren aber noch weitere Vorbereitungen zu treffen:
* ein Flugblatt für die Besucher entwerfen und vervielfältigen
* Poster für eine Präsentationswand ausleihen und dazu eine passende Demowand (beides besitzt unser Landesverband)
* Poster für das Regal beschafffen, Werbung für die Imkerei und lokalen Honig
* die Presse informieren und einladen zu einem Fototermin
* Gäste einladen ( Frau Kehres und Dr. Mühlen, Münster)
* 2 Hochtische für die Honigverkostung beschaffen
* Honig für die Verkostung, Kunsstofflöffel und Servietten bereitstellen
* Namensschilder für alle Mitglieder der HRI organisieren
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| Aufbau des Verkaufsständers - Mithilfe war hier besonders gefragt. | Kundin bei der Degustation. | Bei der Einweihung: Marianne Kehres, Dr. Werner Mühlen, Ludger Sauerwald |
Unsere Erfahrungen
Unser Honigangebot ist vom Start weg gut angenommen worden. Man muß sich als lokaler Freizeit-Imker ausweisen, aber dennoch eine gewisse Professionalität durchscheinen lassen. Wir hatten mit 80 Gläsern pro Monat geplant, landeten aber bis in den März 2006 hinein bei ca. 160 Gläsern. Die Presse hat uns sehr wohlwollend begleitet. Die Leute finden unsere Vorgehen gut, da sie andernfalls kaum in den Genuß lokalen Honigs kommen würden, denn wer macht sich schon die Mühe, wegen 1 oder 2 Gläsern Honig einen Imker aufzusuchen. Unser Honig bei REWE stellt eine gewisse Attraktivität dar.
Das Interesse an der Imkerei ist in Herdecke deutlich gestiegen, der Verein hat keinen Mitgliederschwund.
Die Lieferfbereitschaft über das ganze Jahr hindurch ist wichtig. Wenn ein Imker signalisiert, daß sein Honigvorrat zur Neige geht, erhält er eine Regalebene im "Bückbereich", d. h. unten, auch kann er sein Angebot auf nur eine Honigsorte reduzieren.
Einen völligen Ausfall eines Imkers haben wir nicht erlebt. Falls mehr Interessenten als Regalebenen da sind , müssen einzelne Imker zeitweise aussetzen. Für die Regalbelegung existiert eine rollierende Planung, in der Praxis bestimmt aber eher die frei verfügbare Honigmenge der einzelnen Imker die Platzierung, da die Honige in Griffhöhe stärker angenommen werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Rapshonig und flüssiger Honig die eigentlichen Renner in unserem Angebot sind.
Wir haben es übrigens selbst übernommen, das Regal regelmäßig aufzufüllen, in Odnung und sauber zu halten. Diese Arbeit führt immer wieder zu angeregten Gesprächen mit unseren Kunden. Man kennt uns. In einem kleinen Lager im REWE Markt stehen immer bis zu 150 Gläser Honig zum Auffüllen des Regals. Der Honig geht mit Lieferung in das Lager in das Eigentum von REWE über.
Zur Weihnachtszeit lassen wir uns immer etwas besonderes einfallen. Im vergangenen Jahr wurde jedes Honigglas mit zwei kleinen Baumkerzen aus eigenem Bienenwachs und einem kleinen Tannenzweig dekoriert. Einen neuen Monatsrekord konnten wir einfahren, mehr als 200 Gläser Honig wurden verkauft.
Die laufenden Honiglieferungen und Pflege des eigenen Honigregals sind schnell zu einer liebgewonnen Gewohnheit geworden. Honig bequemer zu verkaufen geht wohl kaum! 1.750 Gläser im ersten Jahr. Durch den Lageraufbau hat sich der Verkauf jetzt auf 1.650 Gläser pro Jahr eingependelt
Aller Anfang ist schwer, aber inzwischen ist es sehr leicht: Es gibt einen Leitfaden für die Gründung und den Betrieb einer Honiggemeinschaft Regionaler Imker. Ein ausführliches Papier, jeder kann unser Vorgehen nun leicht kopieren. Bei APIS, unter www.Honigland.org kann man das alles studieren und sich dort auch die notwendige Ausrüstung komplett beschaffen.
Ludger Sauerwald
L-M.Sauerwald@gmx.de
Ludger Sauerwald, Oberer Ahlenbergweg 19a, 58313 Herdecke, Tel-02330-974467 / 12.10.2008


