Carnica & Buckfast

Wohl kaum eine Thema wie diese beiden Bienenrassen bewegt die Gemüter der Imker, eigentlich weltweit. Ist es einfach nur Unwissenheit, Intoleranz oder einfach eine gehörige Portion Ignoranz?

Dienstag, 11. Januar 2011 - 20:45 Uhr
Buckfast - eine Bienenrasse

Karl Kehrle ( Bruder Adam ), geboren am 03.08.1898 in Mittelbiberach / Süddeutschland, unternimmt 1920 seine ersten Kreuzungsversuche mit der Cypriabiene im Kloster Buckfast in Devon (England).

Er wird dazu gezwungen, einen neuen Weg einzuschlagen, sind doch seine ihm anvertrauten Klosterbienenvölker an der Tracheenmilbe eingegangen, wie auch damals ein Großteil der englischen Bienenvölker.

Es folgten viele weitere Zuchtbemühungen, bis eine friedfertige und leistungsfähige Biene entstanden war.

Heute ist sie eine stabile Tierrasse, die - ähnlich wie die Hunderasse DOBERMANN - durch Menschenhand erzüchtet wurde : Die BUCKFAST - Biene.

Die KOMBINATIONSZUCHT festigt und verbessert die Erbmasse der erzielten Kreuzungsprodukte, damit eine neue erbbeständige Rasse wie z.B. die Buckfast - Biene entstehen kann (Br. Adam, Köln, 1977).

Somit besteht die aus einer Kombinationszucht entstandene Rasse aus einer Reihe von Linien, die ständig miteinander gepaart werden müssen, um die Rasse in ihrer Qualität erhalten zu können.
Die Annahme, dies wäre nur bei der Buckfastrasse nötig (und bei anderen Rassen wie Carnica nicht – hier würde Linienzucht ausreichen), führte zu einem bemerkenswert ausgeprägten Leistungsabfall bis hin zu schweren Inzuchtdepressionen in der zurückliegenden Bienenzuchtgeschichte.

Es ist dringend notwendig, eine Anzahl von verschiedenen Linien zur Verfügung zu haben, da man ansonsten die Rasse durch fehlende Vitalität (Inzucht) bei den Geschlechtsallelen zerstört.

Pflege und Kreuzung der Linien reicht hier leider nicht aus – es ist eine ständige Selektion (Auswahl der Besten – Verwerfung der Schlechten) notwendig.
Da viele Gene der Selektion zum Opfer fallen, verarmt die gesamte Erbmasse der Rasse und ist daher auf Blutauffrischung angewiesen, am sinnvollsten durchführbar durch die Einkreuzung neuer Linien oder sogar anderer Rassen.

Rassenkreuzungen können auch genutzt werden, um den Heterosiseffekt zu fördern, der allerdings in den nachfolgenden Generationen deutlich geringer wird.

Heute gibt es (nach über 90 Jahren der Entstehung der Rasse BUCKFAST) immer noch sehr viele Vorbehalte. Imker, die sich gar nicht an der Zucht beteiligen oder einfach eine andere Bienenrasse halten, diskriminieren, wenn manchmal auch "Hinter dem Rücken des Kollegen",und benachteiligen die Buckfastimker.

Eigentlich schade, dass es immer noch so ist - eigentlich haben wir ja durch verarmte Umweltbedingungen (Artenarmut: z. B. Maiswüsten), Nachwuchssorgen, Bienenkrankheiten, etc. doch genug wichtige Probleme, auch ohne Nebenschauplätzen ...?

Samstag, 11. April 2009 - 23:56 Uhr
Bienen halten oder Imker sein

Nichts gleicht der Seele so sehr wie die Biene; sie fliegt von Blüte zu Blüte wie die Seele von Stern zu Stern und sie bringt den Honig heim, wie die Seele das Licht.
(Victor Hugo)

Es gibt sicherlich viele Gründe dafür, ein Hobby zu ergreifen.

In der Imkerei ist es nicht anders:

Manche sind Imker geworden, um die Baugenehmigung für eine Bienenhütte zu erhalten. Die Bienenhaltung
war für diese Schicht der Imkerei eher sekundär.
Hier halten wir es für sehr erfreulich, dass der Gesetzgeber diesem Trend einen Riegel vorgeschoben hat -
besagte Baugenehmgungen gibt es nur noch in Ausnahmefällen und auch nur dann, wenn eindeutig ein Gewinn aus dem Imkereibetrieb angestrebt und auch nachgewiesen werden kann.

Andere wurden Imker, um mit diesem Nebenverdienst ihre Haushaltskasse aufbessern zu können.
Als innerer Antrieb zur Imkerei ist dies sicherlich akzeptabel, sind diese Imker wenigstens besorgt um ihre Immen, leiten sie doch eine Kausalität zwischen Bienen und Kapital herbei.
Nicht selten entwickelt sich hier dann auch noch eine verspätete Liebe zur Tätigkeit und zum eigentlichen Individuum
Biene, wie bei einer Zweckheirat in den 50er Jahren, wo ohne Trauschein kaum eine Mietwohnung zu bekommen war.

Wieder andere begannen aus Liebe zur Natur und Interesse zu den Bienen mit diesem Hobby. Bei manchen ist sogar ein Beruf daraus geworden, oder zumindestens eine Nebenerwerbs-imkerei. Sie interessieren sich für Zucht, neue Betriebsweisen, Methoden der Varroabekämpfung und nehmen regelmäßig an Schulungen teil, um sich weiter zu bilden. Manche besuchen sogar Kongresse wie die Apimondia und andere interessante, ausländische Veranstaltungen.

Oft denken wir an unseren Bekannten Andrej, der mir in diesem Jahr beiläufig erzählt hat, dass er im Winter 4 Völker
an der Varroose verloren hat.

Vier Völker, naja ...

Aber durch die Zusatzinformation, dass unser Kollege nur insgesamt 10 Bienenvölker bewirtschaftet, büßte er
reel 40 % seines Bienenbestandes ein - nach unseren Wertvorstellungen eine katastrophale Auswinterungs-
quote!

Zu keinem Zeitpunkt verspürten wir den Eindruck, dass er diesen Zustand bedauere - er hat schließlich wieder auf
10 Völker aufgestockt - Ableger waren schnell gebildet. Alles kein Problem...

Andere Imker rechnen gar nicht damit, dass sie alle Völker über den Winter bringen und sind - wenn es dann doch
einmal geklappt hat - völlig überrascht ob der guten Überwinterungsergebnisse.

Hier werden dann oftmals diese "überschüssigen" Völker versilbert - eben im Frühjahr verkauft.

Gehen dann doch einmal mehr Völker ein - quasi wie schon vom Imker selbst erwartet - werden Völker hinzugekauft.

Diese Imker zählen wir zu der Gruppe, die Bienen hält aber selbst mit der Imkerei im engeren Sinne nichts gemein
hat.

Eine Renaissance der Imker, die früher (noch vor der Einschleppung der Varroamilbe) klassisch auf dem Lande
lebend neben einer Kuh und zwei Schweinen noch einige Strohkörbe mit Bienen gehalten haben. Nicht immer aus
Liebe, sondern aus wirtschaftlichen Zwängen und ohne viel über die eigentliche Einheit Bien Bescheid zu wissen...

Da hier klassische Schwarmimkerei betrieben wurde und nicht immer Völker aufgrund fehlender Nachfrage verkauft
werden konnten, wurden diese dann abgeschwefelt.




Solchen "Imkerkollegen" verkaufen wir keine Bienenvölker mehr und sagen dies auch ganz deutlich: So wie bekannte
Züchter versuchen, eine varroaresistente Biene zu selektieren, so ist in diesem Fall unser Bemühen, eine Imkerselektion
vorzunehmen.

Sicherlich ist dies ein Kampf gegen Windmühlen, doch kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen:
Jeder kann einmal Pech haben mit seinen Bienen, doch wenn ein Mensch fast jährlich neue Völker hinzukaufen muss,
wollen wenigstens w i r hier durch den Verkauf von Bienenvölkern keine Hilfestellung leisten; wir empfänden dann unser eigenes Tun als verantwortungslos.

Wir kennen das Gefühl, Bienenvölker einzubüßen. Passiert dies, empfinden wir tiefe Trauer, fühlen uns schlecht,
suchen nach Fehlern, versuchen aus der Vergangenheit zu lernen.


Erinnern wir uns der Bedeutung der Biene: Sie ist das drittwichtigste Nutztier der Welt (nach Rind und Schwein),
in Vergangenheit von vielen Dichtern beschrieben, faszinierte sie schon sehr früh Schriftsteller, Wissenschaftler,
ja sogar Monarchen wie Napoleon, mit ihrer Einzigartigkeit.

Bienen galten als heilige Geschöpfe, die wie wir Menschen sterben und nicht - wie andere Tiere - "eingehen".

Besinnen wir uns wieder dieser Werte, sollten Sie uns vielleicht einmal verloren gegangen sein. Lassen wir uns wieder
faszinieren von den Bienen, seien wir glücklich, wenn es ihnen gut geht und lassen nichts unversucht, diesen Zustand
zu erreichen.


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