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Immer mehr Mais "Bienen sterben"

Hagen/Breckerfeld. (NO, 27.08.08) „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ - Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben. Tatsache ist: Viele Nahrungspflanzen des Menschen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Um so bedrohlicher ist das massenweise Sterben von Bienenvölkern.
Neben Krankheiten werden die nützlichen Insekten von der fortschreitenden Verknappung des Nahrungsangebots bedroht. Ein Problem, mit dem sich auch das Hagener Imkerehepaar Jovita und Ramunas Lange auseinandersetzen musste. Jetzt verlässt das Paar die heimische Region.
Die lange Freundschaft zwischen Biene und Mensch bezeugen 9000 Jahre alte Wandmalereien. Die Liebe der Langes zu den summenden Tieren ist nicht ganz so alt, doch imkern sie schon immerhin seit Anfang der 90er Jahre. „Bereits meine Großeltern waren in Bienen verliebt, und diese Leidenschaft hat sich auch auf mich übertragen“, so Jovita Lange, die in Kaunas, Litauen, den akademischen Grad „Imkermeisterin“ erwarb.
Mit ihrem Mann Ramunas betreut sie im Jahresdurchschnitt 150 Bienenvölker. Naturnahe Stellplätze mit heimischen Biotopen und verkehrsarmer Infrastruktur fanden sie in Breckerfeld. Auf für Biene und Imker strapaziöse Wanderungen konnte damit verzichtet werden. „Dies lag nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten“, so Ramunas Lange.
In diesem Jahr jedoch endete das harmonische Miteinander. Denn in Breckerfeld setzt man im Rahmen eines radikalen Wechsels in der Anbaupolitik nunmehr massiv auf Mais - 200 Hektar werden dafür genutzt. Es sollen noch mehr werden. Raps und Phacelia mussten dem Maisanbau ebenso weichen wie Löwenzahn- und Kleewiesen.
„Mais ist für die Honigbiene als Nektarlieferant wertlos und auch als Pollenlieferant nur gering geeignet“, erklärt das Imkerpaar. Hinzu komme, dass in diesem Jahr bereits tausende von Bienenvölkern im Badischen Raum gestorben seien. „Dort wurde mit dem Nervengift Clothiamidin gebeiztes Maissaatgut zum Schutz vor dem Maiswurzelbohrer ausgebracht. Eine gängige Handhabe, denn der Maiswurzelbohrer kann ganze Maisfelder vernichten.“
Vor rund sechs Wochen stellten die Langes erste Schäden an den Bienenvölkern in Breckerfeld fest. „Unsere Zuchteinheiten standen vor einem Maisfeld und zeigten Verdachtsmomente von Vergiftung“, formuliert Ramunas Lange vorsichtig. „Die Bienen versteckten sich auf dem Beutenboden (Beute nennen Imker den Bienenstock, Anm. d. Red.) und verließen die Waben; sie wärmten die Brut nicht mehr.“
„Die Klage der Bienen erinnerte sehr an das Weinen von Kindern - schrecklich!“, erinnert sich Jovita Lange mit Schaudern. Bereits begattete Königinnen wurden von den eigenen Bienen getötet, „denn Bienenvölker machen ihre Königinnen immer für ungewöhnliche Vorfälle im Volk verantwortlich“, so die Imkermeisterin.
21 Bienenköniginnen im Wert von über 600 Euro haben die Langes an einem Tag verloren. Die Folgeschäden sind noch nicht kalkulierbar. Zudem ist dem Imkerpaar bekannt, dass im kommenden Jahr in Breckerfeld auf weiteren 140 Hektar Mais angebaut werden soll. Womit den Langes der Standort Breckerfeld verleidet ist.
Jovita Lange: „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als ins Rheinland abzuwandern. Dort ist das Interesse am Obst- und Gemüseanbau größer als die Lust der Landwirte, auf Mais zu setzen.“
Werden die Bienenvölker der wenigen Hobbyimker in Breckerfeld ausreichen, auch in Zukunft eine flächendeckende Bestäubung sicherzustellen? Jovita und Ramunas Lange glauben das nicht...

[Den Orginalartikel vom Hagener Wochenkurier können Sie hier runterladen...] [1.460 KB]