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Aktuelles 2009

Der Einfluss vom Fremddrohnen in der Königinnenzucht
(Auszugsweise erschienen im Magazin "Der Buckfastimker 02/2009 von Ramunas Lange) Literarische Quellen: Prof. Armbruster, Prof. Straigis, Mag. Jovita Lange, Hans Vennes

In der Viehwirtschaft wird besonders Wert auf leistungsfähige Rassen gelegt - hier ist die künstliche Begattung schon lange kein "Tabu" mehr, wie auch die moderne Berücksichtigung der Vererbungslehre.

Es verwundert doch sehr, dass nur wenige Imker Interesse an der Königinnenzucht zeigen, liegt doch hier der Schlüssel zur erfolgreichen - und bereits oben erwähnten - effektiven Imkerei.

Die Besonderheit der Mehrfachbegattung stellt viele Imker vor schier unüberwindbare Hindernisse, andere trösten sich mit der Tatsache der mütterlichen Dominanz in der Bienenzucht und glauben hiermit, den Einfluß der Fremddrohnen völlig missachten zu
können.

Bereits Prof. Armbruster stellte 1932 fest, dass der genetische Anteil eines Bienenvolkes an Drohnen höher ist, als von vielen Imkern (und auch Wissenschaftlern) erwartet wurde.




ZAHLENGESETZE IN DER AHNENTAFEL DER BIENE

Das Geschlechtsverhältnis in der Bienen-Ahnenreihe unterscheidet sich deutlich von der anderer Nutztiere, wo das Verhältnis immer 1 zu 1 ist (Zuchttier 1, Eltern 2, Großeltern 4, Urgroßeltern 8, Uuge 16, usw.)

Dies macht die Zucht, aber auch die Bedeutung der Elternteile so kompliziert.

Bienenstammbaum (Arbeiterin, Königin):

Zuchttier   Eltern  Großeltern  Urgroßeltern  Ururgroßeltern   Uuuge 
13 

Die Drohnen sind in einem Bienenvolk den Arbeiterbienen im Verhältnis deutlich unterlegen.

Hier können wir die Männchenzahlen mit Hilfe einer Fibonacci-Reihe ermitteln:

Zuchttier   Eltern  Großeltern  Urgroßeltern  Ururgroßeltern   Uuuge 

Das Geschlechtsverhältnis in den Spalten lautet also:

1/1
8/13  
1/2   2/3   3/5   5/8  

Dies ergibt einen prozentualen Anteil der weiblichen Tiere im Bienenvolk:

50 %   66,6 %   60 %  62,5 %   61,53 %   61,90 %  

Wir sehen hier ganz deutlich, dass der Prozentsatz der Weibchen sich im Zickzack bewegt = erst stark ausschlagend, dann pendelt er sich aber bei unter 62 % ein. In diesem Bereich liegt also auch das Geschlechterverhältnis des gesamten Bienenstammbaumes (Pedigree).

Daher merke: Wir dürfen den Zuchtwert der Drohnen nicht unterschätzen, denn das
Geschlechtsverhältnis der Ahnen einer Biene machen über 38 % männliche Tiere aus.

Was bedeutet dies für unsere praktische Zuchtarbeit?

Ist nur eine erfolgreiche Begattung auf einer sicheren Belegstelle anzuraten?

Diese Frage kann klar verneint werden, wenn der Imker sich an einige Spielregeln in der Betriebsweise hält.

Grundvoraussetzung für eine befriedigende Standbegattung ist eine Entfernung zum nächsten Bienenstand von rund 2 Kilometern und eine eigene große Völkerzahl von mindestens 30 bis 40 Bienenvölkern. In diesen Einheiten wird keine Drohnenbrut ausgeschnitten sondern durch Zugabe von einer vorbereiteten Drohnenwabe die Aufzucht von männlichen Tieren gefördert, was für den Honigertrag als neutral anzusehen ist aber für Drohnen im Überfluss sorgt.

Eine besondere Aufmerksamkeit in der Varroavorsorge ist bei dieser Völkerführung gegeben, sprich rechtzeitiges letztes Abernten und unverzügliche Varroabehandlung sowie eine Restentmilbung im Winter.

Im Focus unserer imkerlichen Bemühungen muß zusätzlich der rechtzeitige Aufbau von geschlechtsreifen Drohnenvölkern sein / die meisten Imkerkollegen werden wissen, dass ein gut gepflegtes Drohnenvolk den Drohnenanteil von rund vier "normalen"
Bienenvölker aufwiegt, bei der heutigen Betriebsweise des viermaligen Drohnenbrutschneidens eher mehr. Wenn es uns also gelingt, fünf Drohnenvölker aufzubauen, haben wir die Drohnenanzahl von zwanzig (!) Wirtschaftsvölkern. Dulden wir hier darüber hinaus keine Stecher, Schwärmer und Faulpelze am eigenen Bienenstand und weiseln hier rechtzeitig
um, haben wir beste Chancen auf gute Zuchtergebnisse - trotz Standbegattung.

Zwar haben renomierte Wissenschaftler belegt, dass brümftige Bienenköniginnen bis zu 7 Kilometern ausfliegen und gechlechtsreife Drohnen sogar 8 Kilometer, ist der Radius von 15 Kikometern nur eine statistische Größe und nur interessant für Reinpaarungen, die in einer "normalen" Imkerei nicht unbedingt anzustreben sind.

Bienenköniginnen entwickeln erst ihre wahre Kraft bei Einwirkung eines Heterosischubes; hier ist eine d e z e n t e Beimischung von Fremddrohnen durchaus wünschenswert. Ferner haben unsere praktischen Arbeiten Anlass zu der Annahme gegeben, dass der optimale Flugradius für Bienenköniginnen und Drohnen bei entsprechendem Druck bei ca. 2 Kilometern liegen.

Liegt kein Drohnendruck vor, riskieren Bienenköniginnen sogar (bei Ebbe) den Flug von Insel zur Insel, wie bereits schon einmal nachweislich geschehen.

Die so gezüchteten Königinnen ergeben sehr gute Wirtschaftsköniginnen (F 1 - Population), von denen allerdings - und seien sie noch so gut - nicht nachgezüchtet werden sollte. Hier ist das weitere Zuchtergebnis eine nicht mehr planbare Größe und die Gefahr der unerwünschten Aufspaltung in der Zucht ist einfach zu groß.

Bei konsequenter und mehrjähriger Durchführung dieser Zuchtmethode ist anzunehmen, dass Fremdbienenvölker, die sich im Flugbereich der "Belegstelle" befinden, sich züchterisch dem Ausgangsmaterials des Züchters derart annähern werden, dass er in
Zukunft auf noch bessere Zuchtergebnisse hoffen darf.

Der Aufbau von Drohnenvölkern:

Die Drohnen der Völker, die für die Zucht vorgesehen sind, müssen gut entwickelt und gesund sein. Sehr wichtig ist, dass die Drohnen geschlechtsreif sind. Man nimmt am besten geprüfte Geschwisterköniginnen oder entscheidet sich für viele Väter und nimmt nicht verwandte geprüfte Königinnen als Ausgangsmaterial.

Die Natur kann unterstützt werden, wenn in die Drohnenvölker Drohnenrähmchen eingesetzt werden. Der Abstand bei den Oberträgern muss aber mindestens 4 mm mehr sein als die Abstände der anderen Rähmchen. Abstand Mitte zweier Waben nebeneinander in der Beute soll 44 bis 45 mm sein. Die Drohnenrähmchen brauchen mehr Platz, damit die viel größeren Drohnenzellen länger ausgezogen werden und die Entwicklung der Drohnen besser ist.

44 Tage vor Zuchtbeginn werden die Drohnenrähmchen mit Drohnenmittelwänden in die Völker gesetzt. Ein gut vorbereitetes Volk arbeitet schnell und innerhalb von 5 Tagen sind die Waben ausgebaut und bereits bestiftet! Dies ist nur eine von mehren
Voraussetzungen für eine gutes Begattungsergebnis, aber keinesfalls zu vernachlässigen.

Etwa am 6. Tag nach dem Einhängen wird das Rähmchen dann in die Mitte des Honigraumes umgesetzt, auch wenn die Waben noch nicht vollständig bestiftet sind. Beiderseits von den Drohnenwaben werden Waben mit ganz frischer Brut gehängt, damit viel
Jungbienen in den Honigraum gehen, und die Brut, vor allem aber die Drohnenbrut sich bei gleichbleibender Wärme entwickeln kann. Diese Wärme ist in der Mitte des Volkes und hier können wir das beste Ergebnis erwarten. Nach dem Schlüpfen der Drohnen
werden wieder Brutwaben in den Honigraum gesetzt, damit die Drohnen immer die richtige Pflege / Temperatur haben.

Ein Bienenvolk sollte nier mehr als 3 bis 4 Drohnenrahmen gleichzeitig pflegen müßen, da ansonsten die Hygiene im Volk gefährdet ist - die geschlüpften Drohnen fügen sich nur sehr zurückhaltend in die Volksarbeiten ein.

Die Drohnenvölker müßen stets über ausreichend Futter verfügen, bewährt haben sich hier der Aufsatz von mindestens einem vollen Honigraum (ohne Absperrgitter, damit die Drohnen auch in den Honigraum ausweichen können und nicht vorzeitig abgetrieben
werden).

Bei Schlechtwetterphasen müßen diese Völker flüssig gefüttert werden - soll von diesen Völkern Honig geerntet werden, empfehlen wir eine Honig-Wasser-Mischung im Verhältnis 1 zu 1. (Bitte hier nur eigenen Honig benutzen, da sonst die Gefahr von AFB - Ameri-
kanische Faulbrut - besteht). Besonders erfolgreich, allerdings kostenintensiver, erwies sich eine Mischung aus 1 Teil Trockenmagermilch, 6 Teile Puderzucker und 3 Teile Honig.

Warum das Einhängen der Rähmchen 44 Tage vor der Begattungsaktion?

Die Drohnen schlüpfen nach 24 Tagen, sind dann schon 40 Tage nach der Bestiftung geschlechtsreif, aber die Drohnenmittelwände müssen von den Bienen ausgebaut werden, dafür werden bis zu 4 Tage hinzugerechnet. Die Geschlechtsreife der Drohen hält etwa
10 bis 12 Tage.

Wer gute Besamungsungs- und Begattungserfolge haben möchte, muss seine Drohnenvölker sehr gut pflegen und behandeln. Für gute Jungköniginnen lohnen sich die Mühen.

Wer gute Besamungsungs- und Begattungserfolge haben möchte, muss seine Drohnenvölker sehr gut pflegen und behandeln. Für gute Jungköniginnen lohnen sich die Mühen.

Kurz zusammengefasst:

-Drohnen beeinflussen ein Volk genetisch zu 38 %
-Standbegattung ist bei planvoller Vorbereitung möglich
-Nachgezüchtet werden sollte nur von kontrolliertem, reinen Ausgangsmaterial
-Drohnenvölker sollten nie mehr als 3 bis 4 Drohnenwaben gleichzeitig pflegen müssen
-Bei entsprechendem Drohnendruck spielt sich die Begattung meist in einem Radius von 2 Kilometern ab
-Der positive Effekt der Heterosis in einer von Zuchtdrohnen dominierten Umgebung ist vorhersagbar